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VEREIN - GESCHICHTE Jahre Turnverein Büttelborn - (BoM). Als im Jahre 1888 in Büttelborn der "Turn- und Militärverein" gegründet wurde, konnte keiner ahnen, dass Jahre später daraus ein moderner Sportverein geworden ist, der in acht Abteilungen den vielen verschiedenen Interessen der fast 1.300 Mitgliedern gerecht wird. Aus dem damaligen Mitgliederverzeichnis ging hervor, dass dem Verein 38 Turner, 9 Zöglinge und 24 inaktive Mitglieder angehörten. Geturnt wurde damals im Schulhof und im "Zehntgarten", mit dem Bau der vereinseigenen Turnhalle hatte der Verein ab 1925 ein eigenes Domizil. 1895 Turnplatz erworben Konrad Graf, 1891 zum zweiten Vorsitzenden des Main-Rod-Gaus gewählt, führte den Verein in Anfangsjahren. Als erste große Aufgabe stand die Ausrichtung des Gauturnfestes an, dessen Ausrichtung im Jahre 1892 übernommen wurde. Insgesamt 187 Turner nahmen an den Wettkämpfen teil. Nachdem 1895 ein eigener Turnplatz erworben wurde - hier wurde später die Turnhalle gebaut - kam um die Jahrhundertwende das Vereinsleben fast völlig zum erliegen. Grund war das wachsende Selbstbewusstsein des Arbeiterstandes und dadurch entstandenen neuen Vereinsgründungen. Der Turnverein geriet in eine Existenzkrise und vorübergehend erlosch das turnerische Leben völlig. Erst 1906 stiegen die Mitgliederzahlen wieder. Drei Jahre später stellte der Turnverein den Antrag auf den Eintritt in der Turngau Main-Rhein, wo er bis heute geblieben. Durch den ersten Weltkrieg wurde rund die Hälfte der rund 100 Mitgliedern eingezogen, was dem Leben des noch jungen Vereins ein jähes Ende bereitete. Am Ende des Krieges hatte der Verein neun gefallene zu beklagen, ehe das Vereinsleben wieder mühsam in Gang kam. 1925 wurde dann der Name des Vereins geändert, aus dem nicht mehr zeitgemäßen Namen wurde nun "Turnverein". Zu Fuß zum Frankenstein Der TV öffnete sich nun neuen Betätigungsfeldern und gründete neue Frauen- und Kinderabteilungen, die sich schon 1921 großen Zuspruchs erfreuten. Zum festen Bestandteil des Vereins gehörten in den 20er Jahren die "Turngänge". Heute ist es kaum vorstellbar, dass die Turner hier oftmals zu Fuß zum Frankenstein oder zu Schwedensäule wanderten. Einen richtungweisenden Beschluss fasste der Vorstand im April 1924, als er die neue, aufstrebende Sportart Handball einführte und damit für eine gravierende Änderung im Vereinsleben sorgte. Rückschlag durch Gleichschaltung Der nächste Rückschlag folgte aber bald, denn im Zuge der totalen Gleichschaltung durch die Nazis wurde der TV zusammen mit dem Radfahrerverein 07 als "Turn- und Sportgemeinde Büttelborn" im Jahre 1936 in den "NS-Reichsbund für Leibesübungen" eingegliedert. Während des Krieges erlag das Vereinsleben bald völlig und nach der Auflösung nach dem Kriege dauerte es bis zum 26. Januar 1949, als endlich zur Gründungsversammlung eingeladen wurde. Dort traten auch sofort 56 begeisterte Turner in den neugegründeten "Turnverein 1888 e.V. Büttelborn" ein. Erster Vorsitzender war Jean Raiß, der bis 1952 dieses Amt inne hatte. Mitgliedsbeitrag damals: Erwachsene 50 Pfennige, Jugendliche waren schon für 30 Pfennige dabei. 1953 nahm auch der Handball wieder Einzug in das Vereinsleben. Säule des Vereins - die Turnabteilung Mit über 600 Mitgliedern ist die Turnabteilung die personell stärkste Abteilung des 1250 Mitglieder starken Vereins. Ein Großteil der Jugendarbeit wird hier geleistet, lernen die jungen Turnerinnen und Turner schon im frühesten Kindesalter die verschiedensten Bewegungsarten kennen, was sich für eine spätere Karriere in einer anderen Sportart als meist sehr Hilfreich erweist. Zweimal, nämlich 1957 und 1988 richtete der TV das Gaukinderturnfest aus, letzter Höhepunkt war 1997 die alljährlich stattfindende Turnschau des Turngau Main-Rheins, die in zwei Veranstaltungen jeweils 400 Zuschauer anlockte. Wer denkt, mit 14, 15 Jahren ist bei den Turnern Schluss, der liegt falsch. Bestes Beispiel ist die TGW-Gruppe "BECT". Hier Turnen, Singen, Tanzen Turnerinnen und Turner aus vier Vereinen (TV Büttelborn, TV Erfelden, TV Crumstadt und TV Trebur) und nehmen regelmäßig an Landes- und Deutschen Turnfesten teil. Die Altersspanne reicht hier von 17 bis 47 Jahren. Noch immer ein wesentlicher Bestandteil der Turnabteilung sind die Leichtathleten und die Jazzgymnastik-Gruppe für Kinder und Jugendliche. Zahlreiche sportliche Erfolge gab es auch, zuletzt wurde Maike Bott von der Mannschaft des TuS Rüsselsheim "ausgeliehen" und trug ihren Teil zum erringen der Hessenmeisterschaft bei. Ein Vereinsrekord, der wohl lange nicht unterboten wird: Manfred Stiltz lief die 100 Meter in 10,8 Sekunden. Sportliches Aushängeschild sind die Handballer. Alles Begann 1924, als Schülermannschaften auf dem Kleeacker hinter dem Turnplatz das Handballspiel pflegten. Auf dem Feld war der TV in den ersten Jahren eine der erfolgreichsten Mannschaften, spielte sogar in der Meisterklasse, der damals höchsten Spielklasse. Durch die leuchtend gelben Trikots hatte man bei den Gegner schnell einen Spitznamen für die noch junge Mannschaft gefunden: "Gelbe Gefahr". Deutscher Meister 1980 Wer erinnert sich nicht gern an 1980, als die weibliche B-Jugend den Titel eines Deutschen Meisters einfuhr und weit über die hessischen Landesgrenzen bekannt wurden. Die Frauen - Premiere für das Frauenhandball war 1972 - waren nicht minder erfolgreich, spielten sie doch in Regionalliga, damals die zweithöchste deutsche Spielklasse. Zur Zeit sind sie in einer Spielgemeinschaft mit der SKV Büttelborn in der Bezirksliga Darmstadt aktiv. Etwas höher sind die Männer angesiedelt, in der Landesliga kämpfen sie um Punkte. Auch sie machten in der Vergangenheit von sich reden: dreimal schaffte man den Sprung in die Hauptrunde des DHB-Pokals, einmal stand man sogar in der dritten Runde, der Runde der letzten 32 Mannschaften. Nachdem zuvor bei der SG Achim-Baden, einem Bremer Vorort, vor einem begeisterten Büttelborner und Bremer Publikum hauchdünn mit 28:27 gewonnen wurde, war eine Runde später der Bundesligist TV Großwallstadt die Endstation. Drei in der Bundesliga Doch ohne eine erfolgreiche Jugendarbeit wären diese Erfolge kaum zustande gekommen. Das der eine oder andere Spieler zu höherklassig angesiedelten Vereinen wechselt ist auf der einen Seite traurig, andererseits aber auch eine Bestätigung für jahrelange geduldige Arbeit. So spielte Stefan Beißer beim Bundesligisten TV Großwallstadt, Thomas Gölzenleuchter gehörte zum Kader des Erstligisten SG Wallau-Massenheim, und Andreas Scheck hatte seinen Stammplatz beim Aufstiegsaspirant der zweiten Bundesliga, Eintracht Wiesbaden, sicher. Stolz sind die Handballer auch auf eine ganz besondere Persönlichkeit, die aus der Abteilung hervorging: Der 1911 geborene in Büttelborn geborene Studienrat Ernst Feick fand beim TV zum Handballsport und war in den Jahren 1955 bis 1966 Präsident des Deutschen Handballbundes und hatte in dieser Zeit großen Anteil an Vertiefung von internationalen Sportbeziehungen. Zudem war er Lehrwart im Hessischen und Süddeutschen Handballverband. Tischtennis - erst im dritten Anlauf "Aller guten Dinge sind drei", sagten sich Tischtennisspieler des TV. Die im Gründungsjahr 1949 von Schreinermeister Feldmann angefertigte Tischtennisplatte wurde bald wieder eingemottet, auch nach der Wiedergründung 1958 fehlte es in den Folgejahren an der nötigen Resonanz, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Erst 1975, als wieder einige Tischtennis-Fans nach der kleinen Ball schrieen, begann der sportliche Aufstieg, und die Abteilung wurde zu einer festen Größe des Vereins. Nachdem 1982 der ehemalige Leistungsturner Ulf Kepper zum Verein stieß, begann der große Aufschwung: bis hin zur Verbandsliga brachte es die erste Mannschaft um Hessenmeister Ulf Kepper. Auch die Spielerinnen und Spieler mit dem etwas größeren Filzball schreiben Büttelborner Sportgeschichte. Die Tennisspieler, die seit 1976 gemeinsam mit der SKV Büttelborn um Punkte kämpfen, waren schon mehrere Jahre in der hessischen Oberliga aktiv. Ganz jung - und schon so erfolgreich Eine sportlich aufstrebende Abteilung: Badminton. Seit einigen Jahren wird mit dem "Federball" gespielt. Die erste Mannschaft spielt zur Zeit in der B-Klasse. Übrigens: Bei den Punktspielen treten Männer und Frauen gemeinsam auf... Die Jugend nimmt zwar nicht an den Punktspielen teil, doch im wöchentlichen Training sind auch sie zahlreich vertreten. Weniger um Punkte, Tore und Meisterschaften geht es bei den Freizeitsportlern und Gymnastikfrauen. Dort steht der Spaß an der Freude, Fitness und die Geselligkeit im Vordergrund. Gymnastik, Volleyball, Schwimmen, Fahrrad fahren und viele andere Aktionen stehen bei den beiden Abteilungen auf dem Programm. Die Gymnastikfrauen richten seit einigen Jahres das Büttelborner Volksradfahren aus, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Sport für Ältere: Die Damen, die die Seniorengymnastik von Hildegard Görlich besuchen, beweisen, dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören. Faustball - einstige Größe im Verein Faustball war eine der ersten weiteren Sportarten, die sich neben dem Turnen im Verein etablierten. Auch sie blickten auf zahlreiche Erfolge zurück, im Jubiläumsjahr 1988 stiegen sie in die Bezirksliga A auf. Doch aufgrund der dünnen Spielerdecke kam das Faustballspiel kurz darauf zum erliegen und dieses Jahr wurde die Abteilung offiziell aufgelöst. Eigentlich schade, denn die aus dem Turnen kommende Traditionssportart erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, wie an den Vereinen wie dem TSV Pfungstadt, der TGS Walldorf und dem TV Ober-Ramstadt. Diese Vereine sind nicht im Aktivenbereich erfolgreich, sondern auch die zahlreichen Nachwuchsmannschaften bis hin zu den Minis machen von sich reden. Kerb und Fastnacht in der Turnhalle Doch nicht nur sportliches hat der Turnverein zu bieten. Zahlreiche Veranstaltungen wie Zeltlager, Weihnachtsfeiern, Handballreisen nach Holland oder Prag bietet der TV vor allem der Vereinsjugend an. Die vereinseigene Turnhalle ist an Fastnacht und Kerb Treffpunkt vieler Besucher, egal ob jung oder alt. Dass die Turnhalle nicht nur an Fastnacht sondern auch an Kerb aus allen nähten Platz, ist mitunter ein Verdienst der "Kerweborsch vun de Tornhall", die sich schon Wochen vor der Kerb treffen, um das ureigenste Fest der "Biddelberner" vorzubereiten. Die Turnhalle - Das Herzstück Im Herbst 2003 hat der Turnverein sein neues "Herzstück" in Betrieb genommen. Die 1925 erbaute Turnhalle wurde Richtung Sportplatz hin erweitert. Damit bietet der TVB seinen Mitgliedern neue Möglichkeiten für die Zukunft. |