Emotionales Finale des Büttelborner Sauerkraut-Pokals

Trampolinturnen

Das Trampolinturnier begeistert wieder fast 300 Teilnehmer - und lockt sogar einen Olympia-Anwärter

Zwei junge Trampolinturner werden sicher noch in vielen Jahren davon erzählen, wie sie in Büttelborn ganz oben auf dem Podium standen - mit einem Krautkopf als Siegtrophäe. Beim TV Büttelborn darf man womöglich irgendwann stolz darauf verweisen, dass die letzten Namen einer Siegerliste nun in der Weltspitze zu finden sind. Zwei Seiten des Sauerkrautpokals, der mit der 15. Auflage das Ende seiner bemerkenswerten Geschichte gefunden haben soll. Mit Mia Döbbemann (TT Niedernhausen) und Ben Graeser (TV Breckenheim), die an diesem Tag als Sieger der Jugend C und der weiblichen Jugend B klassenübergreifend die höchsten Punktzahlen aller Turnerinnen beziehungsweise Turner erhielten. Und dafür mit dem Bio-Pokal belohnt wurden.

Tatsächlich gehören beide schon jetzt zur nationalen Elite des Trampolinturnens. Ben Graeser etwa wurde im vergangenen Jahr Deutscher Meister im Rahmen des Deutschen Turnfestest. In der Altersklasse 13/14, weshalb er natürlich noch einen weiten Weg vor sich hat in seinem Sport. Bis er zum Beispiel solche Höhen erreicht wie Matthias Schuldt, der zuletzt Vize-Europameister im Synchron-Trampolinturnen wurde und im Vorjahr den Weltcup in Cottbus gewann. Der mehrfache Deutsche Jugendmeister hätte seine Klasse auch gerne wieder in Büttelborn demonstriert. "Ich habe es probiert, aber die Halle ist einfach zu niedrig", erklärte der 25-Jährige mit großem Bedauern, denn der Sauerkraut-Pokal hat eine besondere Bedeutung für ihn: "Hier habe ich meinen ersten Wettkampf geturnt. Deshalb war es für mich selbstverständlich, auch beim letzten Mal dabei zu sein".

Nach seinem Debüt 2013 hatte Schuldt sechsmal teilgenommen mit einer beeindruckenden Bilanz: vier Siege, zwei Siege. Aber schon lange braucht er eben mehr Flughöhe als die knapp sieben Meter bis zur Hallendecke der Büttelborner Kreissporthalle. Was er sehr bedauerte im Interview mit Moderator Udo Döring, in dem er auch sein großes Fernziel verriet: Olympia 2028 in Los Angeles. Auch seine Schwester Christine holte schon mehrere deutsche Meistertitel, musste aber nach dem Aufwärm-Versuch ebenfalls passen: "Ich hab mir im Training leider beide Füße geprellt. Echt schade, denn ich hätte gerne so eine Kraut-Trophäe mit nach Hause genommen". Was ihr in Büttelborn trotz zwei Altersklassensiegen zuvor nicht gelang.

"Schade, dass 'Matze' nicht springen konnte, aber es ist schon eine Ehre für uns, dass er als Coach dabei gewesen ist", sagte Organisationsleiter Mirko Bott, der schnell darauf verwies, dass Matthias Schuldt in wenigen Wochen die TG Dietzenbach beim Bundesliga-Finale in Bad Kreuznach zum Sieg führen will. So wie bei der deutschen Mannschaftsmeisterschaft vor wenigen Wochen in Wolfsburg. Zum TG-Team gehört  auch  Tim-Daniel Olschwesky, dessen Heimatverein der TV Büttelborn ist. Die Chance, der letzte Sieger der Männerklasse in der Geschichte des  Sauerkraut-Pokals zu sein, verpasste er um ganze 0,5 Punkte. "Er hatte alle Chancen auf den Titel, doch im Finale turnte er einen Sprung zu viel, das gab zwei Punkte Abzug. Dabei war er so im Fokus, dass er sich selbst an den zusätzlichen Sprung nicht erinnern konnte", erklärte Mirko Bott zum Missgeschick seines Schützlings, der mit 87,500 Punkten schließlich Dritter wurde.

Ein sportliches Highlight aus Sicht des Gastgebers war der Sieg von Nico Schöneberger, der in der Jugend E fast zehn Punkte Vorsprung hatte. Weitere Erfolge für Athleten aus dem Kreis Groß-Gerau waren zweite Plätze von Sophie Simon (Jugend B), die in Worfelden lebt und für die Frankfurt Flyers startet, sowie dem früheren Gesamtsieger Tim Gernandt (SKV Mörfelden) bei den "Oldies" (Jahrgang 1997 und älter). Hier freute sich Mirko Bott, dass sich einige der Turnerinnen der ersten Büttelborner Trampolin-Stunde noch einmal eigens auf den letzten Sauerkraut-Pokal vorbereitet und sogar das Finale erreicht hatten. Nina Döring wurde sogar Vierte - und bekam eine Sondermedaille als einzige Turnerin, die an allen 15 Turnieren teilgenommen hat.

Auch Mirko Bott selbst turnte sich bei den Oldies ins Finale, vor dem er mit seiner Frau Steffi in der proppenvollen Halle geehrt und gefeiert wurde. "Für mich war es ein sehr emotionaler Tag. Nicht nur, weil es der letzte Kraut gewesen ist, sondern auch, weil unser großes Helferteam mal wieder gezeigt hat, wozu es in der Lage", resümierte Büttelborns Mister Trampolin, der natürlich schon wieder grübelt, was man denn in Zukunft so organisieren könne. Motiviert auch von viel Lob der knapp 300 Teilnehmer aus über 30 Vereinen - vom Geestemünder TV bei Bremerhaven bis TV Weingarten am Bodensee, die einmal mehr die große Anziehungskraft des Sauerkraut-Pokals belegte, der schon für manches Talent zum Sprungbrett in die Spitze des Trampolinsports wurde.

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